Lebensimpuls Oktober - Dankbarkeit
Nicht weil alles gut ist. Sondern weil es auch im Unvollkommenen Gutes gibt.
LIEBEVOLL ÄLTER WERDEN!
Andrea Spacek
10/1/20264 min read
Der Oktober hat für mich etwas ganz Besonderes.
Die Natur verändert sich sichtbar. Die Tage werden kürzer, das Licht weicher. Blätter leuchten noch einmal in den schönsten Farben, bevor sie sich lösen und zu Boden fallen. Vielleicht ist gerade diese Zeit eine Einladung, auch in unserem eigenen Leben einmal innezuhalten. Nicht um zu schauen, was noch fehlt. Sondern um wahrzunehmen, was längst da ist.
Dankbarkeit.
Ein großes Wort.
Und manchmal auch ein schwieriges. Denn natürlich gibt es Zeiten im Leben, in denen uns überhaupt nicht nach Dankbarkeit zumute ist. Wenn ein Mensch fehlt. Wenn sich das Leben anders entwickelt hat, als wir es uns vorgestellt haben. Wenn der Körper nicht mehr alles mitmacht. Wenn Beziehungen sich verändern. Wenn wir Abschied nehmen müssen - von Menschen, Möglichkeiten, Träumen oder vielleicht sogar von einem früheren Bild unseres eigenen Lebens.
Dann kann ein gut gemeintes „Sei doch dankbar für das, was du hast“ sogar wehtun.
Denn Dankbarkeit darf kein Zwang sein.
Für mich bedeutet Dankbarkeit etwas anderes.
Sie sagt nicht:
Alles ist gut.
Sie sagt:
Es gibt auch Gutes.
Und dieser kleine Unterschied kann unglaublich viel verändern.
Das Gute sehen
Wir Menschen haben eine erstaunliche Fähigkeit, sehr schnell zu erkennen, was nicht funktioniert. Was fehlt. Was anders sein sollte. Was jemand gesagt oder eben nicht gesagt hat. Was wir nicht mehr können.
Und manchmal übersehen wir dabei all das, was ganz selbstverständlich Teil unseres Lebens geworden ist.
Den ersten Schluck Kaffee am Morgen. Sonne im Gesicht. Eine vertraute Stimme am Telefon. Musik, bei der plötzlich Erinnerungen auftauchen. Ein Mensch, der fragt: „Wie geht es dir?“ - und die Antwort wirklich hören möchte. Ein herzliches Lachen. Ein Zuhause, in dem wir uns wohlfühlen. Oder diesen einen Menschen, bei dem wir nicht erklären müssen, wer wir sind.
Vielleicht müssen wir gar nicht immer mehr Schönes in unser Leben hineinpacken.
Vielleicht dürfen wir manches Schöne einfach wieder bemerken.
Dankbar für Menschen
Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, denke ich erstaunlich wenig an Dinge.
Ich denke an Menschen. An Menschen, die mich begleitet haben. An jene, die an mich geglaubt haben, vielleicht gerade dann, wenn ich selbst Zweifel hatte.
An Menschen, mit denen ich Tränen gelacht habe. An Gespräche, die etwas verändert haben. An Menschen, bei denen ich einfach Andrea sein durfte.
Und ja - sogar an manche Menschen, an denen ich gewachsen bin, obwohl ich ihnen damals dafür ganz bestimmt nicht dankbar war. 😉
Nicht jeder Mensch bleibt ein Leben lang. Manche begleiten uns viele Jahre. Andere nur ein kleines Stück. Und manche Begegnung dauert vielleicht nur einen Augenblick und hinterlässt trotzdem etwas.
Menschen können aus unserem Leben gehen.
Was sie uns gegeben haben, kann bleiben.
Vielleicht ist dieser Oktober eine schöne Gelegenheit, einem Menschen nicht nur zu denken:
Ich bin froh, dass es dich gibt.
Sondern es ihm auch einmal zu sagen.
Dankbar für meinen eigenen Weg
Dankbarkeit hat für mich aber noch eine andere Seite. Den Blick auf mein eigenes Leben. Wenn ich meinem jüngeren Ich meinen bisherigen Lebensweg zeigen könnte, würde es vermutlich an einigen Stellen ziemlich große Augen machen. Denn vieles kam anders als geplant. Es gab Umwege. Entscheidungen, die ich heute vielleicht anders treffen würde. Türen, die sich geschlossen haben. Menschen, von denen ich dachte, sie würden bleiben. Und Wege, die ich mir ganz bestimmt nicht freiwillig ausgesucht hätte.
Manches davon konnte ich erst viel später verstehen.
Und manches verstehe ich vielleicht bis heute nicht.
Trotzdem sehe ich inzwischen:
Auch diese Kapitel gehören zu mir. Sie haben mich geprägt. Sie haben mir gezeigt, was mir wichtig ist. Sie haben mich stärker gemacht. Manchmal mutiger.
Manchmal weicher. Und manches Mal haben sie mich auf einen Weg geführt, den ich vorher niemals gesucht hätte.
Dankbar für meinen Weg zu sein bedeutet deshalb nicht, alles gutheißen zu müssen, was geschehen ist.
Es bedeutet für mich vielmehr, irgendwann sagen zu können:
Das ist meine Geschichte.
Mit ihren hellen und dunklen Kapiteln.
Mit Umwegen und Neuanfängen.
Und ich darf würdigen, wer ich auf diesem Weg geworden bin.
Vielleicht dürfen wir beim Älterwerden deshalb nicht nur unsere Jahre zählen.
Sondern auch all die Geschichten, die darin stecken.
Dankbarkeit weitergeben
Und dann gibt es noch etwas Schönes an der Dankbarkeit:
Wir können sie weitergeben.
Sie muss nicht bei uns bleiben.
Ein freundliches Wort.
Ein ehrliches Kompliment.
Ein offenes Ohr.
Eine Nachricht:
„Ich habe gerade an dich gedacht.“
Ein:
„Danke, dass du damals für mich da warst.“
Oder einfach Zeit.
Zeit ist vielleicht eines der kostbarsten Geschenke, die wir einem Menschen machen können.
Und Dankbarkeit besitzt eine wunderbare Eigenschaft:
Sie wird nicht weniger, wenn wir sie teilen.
Sie wird mehr.
Vielleicht verändert ein Satz nicht die Welt.
Aber möglicherweise verändert er gerade den Tag eines Menschen.
Und manchmal beginnt genau so etwas Großes - ganz klein.
Mein kleiner Oktober-Impuls für dich
Ich möchte dir diesen Monat keine lange Dankbarkeitsliste geben.
Nur eine kleine Frage.
Vielleicht stellst du sie dir abends, bevor du schlafen gehst:
Was war heute gut?
Nicht:
Was war perfekt?
Nicht:
Was habe ich alles geschafft?
Nur:
Was war gut?
Vielleicht fällt dir sofort etwas ein.
Vielleicht musst du ein bisschen suchen.
Und vielleicht gibt es auch einen Tag, an dem dir gar nichts einfällt.
Auch das darf sein.
Dankbarkeit braucht keine perfekte Bilanz.
Sie braucht nur unsere Bereitschaft, das Gute nicht zu übersehen.
Ich weiß nicht, was dieser Oktober für dich bereithält.
Vielleicht Leichtigkeit.
Vielleicht Herausforderungen.
Wahrscheinlich - wie das Leben meistens - ein bisschen von beidem.
Doch ich wünsche dir, dass du zwischendurch immer wieder einen dieser kleinen Augenblicke entdeckst, in denen dein Herz ganz leise sagt:
„Wie schön, dass das in meinem Leben ist.“
Vielleicht ist genau das Dankbarkeit.
Nicht das große Feuerwerk.
Sondern dieses stille Wahrnehmen:
Mein Leben ist nicht perfekt.
Aber es ist voller Augenblicke, die es wert sind, gesehen zu werden.
Herzlichst
Andrea 🧡
Liebevoll älter werden!
Andrea SPACEK und
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